Erinnerung

 

 

Aaron vom Hanselbach genannt Rico *04.05.1992 +22.11.2002


Als wir 1990 die Genehmigung zum Bau unseres Hauses bekamen, war für uns sofort klar, dass wir einen Hund bekommen würden. Lange überlegten wir hin und her, welche Rasse am besten zu uns passen würde. Irgendwann fiel dann der Entschluss, dass es ein Hovawart sein solle. Beim Zwinger „vom Hanselbach“ fanden wir in Rosemarie Helbig aus Gaiberg, einem Nachbarort von Heidelberg, eine sehr nette Züchterin. Leider standen wir nur auf der Ersatzliste. Rosemarie, (Rolli) suchte sich die neuen Besitzer ihrer Welpen sehr genau aus. So hatten wir Glück und bekamen unseren Rico.

Auf der Suche nach einer sinnvollen Ausbildung und Tätigkeit für einen so großen Hund kam ich berufsbedingt sehr schnell auf die Idee ihn zum Rettungshund auszubilden. Mit Rico erlebte ich zahlreiche Übungen im In- und Ausland bevor 1997 unser erster Auslandseinsatz uns in ein Erdbebengebiet ans Marmarameer in die Türkei führte. Mit diesem Hund erlebte ich alle Facetten der Rettungshundearbeit. Florian Rico (unser Funkrufname bei der Feuerwehrleitstelle) arbeitete während seiner aktiven Zeit sage und schreibe 12 Gasexplosionen in NRW ab.

Als er vier Jahre alt war kam unser Familiennachwuchs auf die Welt. Im Vorfeld machte ich mir große Sorgen, wie es denn klappen würde wenn ein Rüde im besten Alter plötzlich auf der Leiter der Hirachie wieder eine Sprosse nach unten wandern muss. Rico musste nicht nur eine, sondern zwei Sprossen nehmen, denn wir bekamen Zwillinge. Doch er räumte alle Sorgen aus dem Weg.

Vor allem im Verhältnis zu unserer (damals noch erkrankten) Tochter bewies er ein außerordentliches Maß an Sensibilität. Nachts wurden wir beispielsweise von ihm geweckt, bevor nebenan die Sauerstoffüberwachung Alarm schlug. Die Kinder verlebten tolle Jahre mit diesem stattlichen Kerl (73 cm Schulterhöhe). Rico war ein lebendiger Werbeträger seiner Rasse. Viele Freunde und Bekannte beneideten uns um diesen Hund und hatten selbst eine sehr gute Beziehung zu ihm. So artete der Abschied von ihm 2002 zu einer Trauerfeier für Freunde und unsere ganze Familie aus. Trotzdem verbinden wir mit Rico immernoch lebendige Erinnerungen an besondere Erlebnisse.

 

Flash vom Hanselbach * 30.05.2000 + 01.03.2011

Die ersten zwei Lebensjahre verbrachte er zusammen mit Rico. Er war wie der kleine Bruder. Rico war bis zum letzten Tag der Rudelführer. Rangeleien zwischen den beiden gab es zu keiner Zeit. Flash war aber das Gegenteil von Rico. Für ihn gab es nur eine Richtung: Immer nach vorne.



Er wusste genau was er wollte. Wurden sie ihm zu anstrengend, maßregelte er meine beiden Kinder mit einem abweisenden Brummen- das war es dann aber auch. Niemals kam es zu einer gefährlichen Situation. Brummte Flash dann hatte er auch einen Grund und ich konnte ihn niemals dafür zurechtweisen.

Mit diesem Foto brachten wir es auf die Titelseite unserer Vereinszeitschrift. Hubschrauberfliegen war für Flash immer ein großes Ereignis. Es handelt sich bei der Aufnahme um keine Fotomontage, wir fliegen mit offenen Türen. Der Hund ist aber an meinem Geschirr und ich im Innern des Hubschraubers gesichert.

Nachdem nun unser geliebter Rico im November 2002 von uns gegangen war, dauerte es nicht lange bis wir feststellten, dass wieder ein zweiter Hund, vor allem als „Haus- und Hofwächter“ wofür der Hovawart ja schon vom Namen her prädestiniert ist, zu uns kommen sollte.

Ein Hund aus dem Tierheim kam für mich nicht infrage und für einen neuen Welpen war Flash meiner Meinung nach zu jung. So schauten wir auf die Internetseite des RZV und fanden eine 18 Monate alte schwarzmarkene Hündin, die aus familiären Gründen abgegeben werden musste. Nach dem ersten Treffen mit Gitta und Ihrer Besitzerin bei uns zu Hause wurden wir uns schnell einig und so wechselte Gitta vom Hundsbühl ihren Wohnsitz von Erfurt an den Niederrhein.



Gitta vom Hundsbühl * 21.03.2001 +07.06.2014

Aufgrund Gittas Angst vor Männern musste ich anfangs mit kleinen Schritten ihr Vertrauen gewinnen. Ich ließ sie mehrere Wochen in Ruhe und versuchte ihr keine Kommandos erteilen zu müssen. So hatte sie die Möglichkeit den ersten Schritt zu tun: Das funktionierte und es entstand eine große Freundschaft. Gitta hatte keinerlei Ausbildung genossen, Ausbildungsmerkmale erwarb sie auch in ihrem weiteren Leben nicht. Das Stehlen mussten wir ihr abgewöhnen und später stand sie auch sehr gut im Gehorsam. Unter Pferdezüchtern gibt es den Begriff des „Beistellpferdes“. Das war Gitta für uns. Sie versprühte einen ganz besonderen weiblichen Charme, gepaart mit jeder Menge Verschlagenheit und Intelligenz. Zusammen mit Flash bildete sie zuhause ein super Team. Wehe ein anderer Rüde kam seiner Gitta zu nahe, dann drehte Flash auf und schlug alle in die Flucht.

Gitta war mit 13 Jahren unser ältester Hund, der Abschied von ihr war traurig aber die Geschichten über sie und die zahlreichen Erlebnisse sorgen immernoch für lachende Gesichter.

 

Boris genannt Bexx

Ja, sie haben sich nicht verrechnet und es ist auch kein Tippfehler. Bexx wurde nur 15 Wochen alt. Nachdem Flash von uns gegangen war stand fest, es muss wieder ein Hovawartrüde her. Wir fanden nette RZV-Züchter im Emsland. Heute besteht die Zucht nicht mehr. Einige Tage nachdem wir Bexx zu uns geholt hatten begann er zu humpeln. Plötzlich schrie er nachts wir ein kleines Kind und wir schreckten aus dem Schlaf. Unser Tierarzt überwies uns zu Dr. Klesty an die Duisburger Kaiserbergklinik. Sie sah den Hund und sprach sofort von einer Osteogenetis imperfecta. Das hatten wir noch nie gehört. Sie nahm den Hund mit zum Röntgen. Leider brach ihm dabei ein Bein. Das Schreien konnten wir im Wartezimmer hören. Es ging durch Mark und Bein. An diesem Tag erlösten wir den Kleinen im Alter von 15 Wochen von seinen Qualen und schickten ihn auf die Reise über den Regenbogen.



Einen Hund einzuschläfern ist für jeden Halter ein schwerer Schritt, verbunden mit einer tiefen Trauer. Aber das Leben eines kleinen Welpen zu beenden ist noch einmal von einer ganz anderen Qualität. Wir möchten das nie mehr erleben müssen.